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Kunstraum Potsdam SCHIFFBAUERGASSE


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19.08.2007 bis 16.09.2007

SECHSMALZEHN

Hans Hendrik Grimmling
Da sind Teile und Formen, die sich verzahnen und verklammern, nach außen drängen, wie Liebes- oder Lebenszeichen den Raum erobern und dennoch keine organische Illusion vorstellen. Der Ausblick auf Körper, sofern diese gemeint sind, bleibt fragmentarisch und von vitalen Impulsen geprägt. Grimmling – Sinnesmensch, malender Berserker und grübelnder Idealist in einem – malt eine Realität, die jeder erzählerischen Darlegung entbehrt und dennoch von der aktuellen Gegenwart inspiriert und durchblutet ist. Alles auf seinen Bildern ist voller Energie und regt und streckt sich in klaren, kräftigen Farben gegen die natürliche Begrenzung der Leinwände. Wie eine Quelle, die sich gegen den Rand eines Beckens entlädt, stemmt sich Grimmlings Malerei voller Lust gegen Wiederholung, Erstarrung und biederen Realismus. Immer wieder zwingt er Gegenläufiges in eins und formuliert ein Gleichgewicht divergierender Kräfte. Zwischen Eros und Welt, Innen und Außen, Kern und Hülle verdichtet hier ein Künstler seine Empfindungen in Monumenten und positioniert dabei Erfahrungen, die von der persönlichen – durchaus auch sinnlichen – in die philosophische Ebene springen.

In der Wahl seiner Farben, die oft rein und klar gesetzt sind, ist Grimmling ein Dramatiker. Aus dem sonoren Schwarz erhebt sich oft ein flammendes Gelb und irgendwo ist meist auch die Farbe des Blutes, Rot, im Spiel. Das dehnt die Bilder zuweilen ins Mythische, ein Moment, das durch die Wahl der Titel gelegentlich noch verstärkt wird.

Hans-Hendrik Grimmling wurde 1947 in Zwenkau bei Leipzig geboren. Nach einer Berufsausbildung zum Chemieanlagenfahrer und wechselnden Tätigkeiten studierte er ab 1969 an der Hochschule für Bildende Künste, Dresden, Malerei, wechselte 1970 an die Hochschule für Grafik und Buchkunst nach Leipzig und studierte dort bei Wolfgang Mattheuer und Werner Tübke bis 1974. Nach seiner Zeit als Meisterschüler bei Gerhard Kettner in Dresden war er ab 1977 freischaffend in Leipzig tätig.

Bereits auf den frühen Bildern scheint der Blick voraus überschattet vom gebrochenen Grau sächsischer Tagebaulandschaften, an deren Himmel schwarze Vögel als Boten einer noch schwärzeren Zukunft kreisen. Die Bilder stehen zunächst in der Tradition des deutschen Expressionismus und spiegeln das Befinden des Künstlers in fahlen Farben und leeren Räumen wider. Menschen, Vögel, Gesichter und Körper sind ineinander verkeilt, verschlingen sich im Miteinander wie die Gitterwerke jener Braunkohlebagger, die die Landschaft rund um Leipzig beherrschen. Man sieht Menschen in kollektiven Verknotungen, die Figuren sind reduziert auf pathetische Gesten und das anonyme Personal marodiert ziellos durch ein dunkles Nirgendwo.

Trotz dieser düsteren Reflexionen gehörte Grimmling von Beginn an zu jenen Künstlern, die nach neuen Wegen suchten, Aktionen planten und durchführten, sich in Gruppen und Pleinairs ausprobierten und dabei oft mit den biederen Vorstellungen der herrschenden Genossen kollidierten. Grimmlings Offenheit, sein erklärtes Selbstverständnis als autonomer Künstler und seine Lust an provokanten Welterklärungen düpierten regelmäßig den ideologieverschleierten Kunstbetrieb – zuerst im Osten, später aber auch im Westen. Am Ende zahlreicher Ausstellungen und Performances während der Jahre in der DDR, die oft im Verbund mit anderen Malern, Musikern, Dichtern oder Schauspielern stattfanden und nicht selten zensiert oder verboten wurden, steht der 1. Leipziger Herbstsalon von 1984. In einer Art Handstreich mieteten sich sechs Künstler im Leipziger Messehaus am Markt ein und zeigten eine unzensierte Auswahl ihrer Werke in einem zentralen öffentlichen Gebäude. Diese Ausstellung wurde zu einem großen Erfolg und wegen der Resonanz in Ost und West entgingen die Akteure Verbot und Schließung. Zugleich erreichte Grimmling damit einen Endpunkt dessen, was in der DDR möglich war, beantragte die Ausreise und ging 1986 nach Westberlin, wo er noch heute lebt und arbeitet.

Grimmlings Werk wurde in vielen Ausstellungen geehrt und seine Arbeiten befinden sich in zahlreichen nationalen und internationalen Sammlungen.

Text: Stadtmuseum und Kunstsammlung Jena

Weitere Informationen: h-h-grimmling.de/
Die WASCHHAUS POTSDAM gGmbH bedankt sich bei der Landeshauptstadt Potsdam / FB Kultur und Museum und beim Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg für die Förderung. Vielen Dank an die Märkische Allgemeine Zeitung für die freundliche Unterstützung.



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